Von 1970 bis 2020 durfte ich die Frischluft ausserhalb des „Bürgerkäfigs“ geniessen. Motorradfahren ist noch heute meine Leidenschaft. Diese Leidenschaft begann genau zu dem Zeitpunkt, als die große Zeit der deutschen Motorräder bereits vorbei war. Der Rückgang des Motorradbestands war in den Sechzigern dramatisch und die ehemaligen Motorradhersteller wie BMW versuchten bereits in den Fünfzigern der wachsenden Nachfrage nach günstigen Kleinwagen Herr zu werden, siehe Isetta. Gleichzeitig war dies praktisch der einzige Hersteller die dank Behördennachfrage und staatlicher Unterstützung im Westen überlebte.
Mein Vater, selbst dank liberaler Führerscheinregelung in den 30-er Jahren mit 16 Jahren Motorradfahrer, erlaubte mir im gleichen Alter natürlich nicht, das ich den Führerschein Klasse IV erwerben durfte. Eltern sind halt inkonsequent. Sein Vater, der bei uns wohnte, hatte es aber damals erlaubt. So war es einfach mit dem Führerscheinantrag zu ihm zu gehen, mit der Aufforderung „Opa ich brauch mal deine Unterschrift“ und schon konnte es losgehen, den er trug den gleichen Vor- und Nachnamen. In 1970 leerte ich mein Sparbuch mit dem gleichen Trick und erwarb in Kitzingen für 500 DM eine gebrauchte Honda SS50.

Leider war die Freude an der neuen Freiheit nicht von Dauer und nach kurzer Zeit musste etwas Neues her. Da ich mit der Honda im Prinzip zufrieden war, gaben wir die alte in Zahlung und mein Vater kaufte mir in Würzburg für 1000DM Aufpreis eine neue SS50, die sich nur wenig vom Vorgängermodell unterschied. Den mopedfahrenden Filius hatte er mittlerweile akzeptiert. Nun aber ging es richtig los denn 1971 stand der „große Führerschein“ Klasse 1 an und wurde natürlich noch im gleichen Jahr absolviert. Mit meinem begrenzten Schülerbudget war die Qual der Wahl nicht groß. Die Versandfirma Quelle hatte ein unschlagbares Angebot. Eine Jawa CZ 175ccm mit sagenhaften 15 PS. Das es sich nur um einen Zweitakter handelte, nahm ich angesichts des günstigen Preises von 1245 DM in Kauf.
Auf langen Autobahnetappen ging der Motor selbst im Winter schon mal fest, aber nach einer 10-Minuten Zigarettenpause konnte es schon wieder weitergehen. Wichtig dabei der Kupplungsfinger! Aber wir hatten ja „Klacks“ Motorradschule gelesen.

Mein Fachabi an der Fachoberschule Schweinfurt durfte ich noch abschließen, aber wenige Wochen später ging es schon zur Bundeswehr nach Wildflecken. Da wurden die Fahrzeuge schwerer und hatten mehr Leistung. Außer für die armen Kradfahrer. Die mussten sich mit 125cccm Herkules durch den Matsch quälen. Deshalb suchte ich mir für die 15 Monate Wehrdienst einen Panzer mit 12 Zylindern und 821 PS – luftgekühlt. As frisch gebackener Uffz musste ich irgendwie in die Kaserne kommen und die Jawa war schon Geschichte. Also Neuanschaffung im Jahre 1973. Auf Grund der negativen Erfahrung mit Zweitaktern setzte ich auf Bewährtes. Eine Honda CB 250 mit 30PS für 3048DM. Das ging nur mit einem Bankkredit für den mein Vater bürgte. Bei der ehemaligen Dresdner Bank, heute Commerzbank, bin ich heute noch Kunde.

Diese Maschine sollte mich viele Kilometer begleiten. Leider nicht so viele Jahre. Dafür reichte die Zuverlässigkeit der Japaner noch nicht aus. Die Honda hatte nach zwei Jahren knapp 40.000 km drauf und wurde verkauft. Während der Semesterferien arbeitete ich in der Zuckerfabrik in Zeil am Main. In dieser Zeit wohnte ich bei meiner Oma, siehe auch Bild oben.
Mein Traum war natürlich ein Motorrad mit 750ccm. Eine Neuanschaffung kam nicht in Frage. Das Traummotorrad der 70er Jahre war die CB750 Vierzylinder mit 67PS für 7.368 DM. Also wurde eine gebrauchte Alternative gesucht. Da traf es sich gut, daß Heinzelix gerade bei Detlev Louis in Hamburg eine gut abgehangene Laverda 750 GT der ersten Serie erstanden hatte. Wir einigten uns auf 3.500 DM in bar. So wurde ich 1975 stolzer Besitzer einer schönen Italienerin aus Breganze.

Bild: mit der Laverda auf der Isle of Man 1978
Die Laverda steht heute noch in der Garage und wartet auf Ihren Prinzen, der sie aus dem Dornröschenschlaf weckt. In der nächsten Folge geht es in die 80er. Die Laverda stets dabei.
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