
Wer sich ein klein wenig für die Historie von Computern interessiert, dem sei das Blog des HNF empfohlen, zumal es immer wieder wunderbare Zeitbezüge herstellt. Bevor wir zur ersten „Programmiererin“ Deutschlands kommen muß ich ein wenig ausholen.
1948 gab es in Deutschland genau einen Computer, die Z4 von Konrad Zuse dem deutschen Computerpionier. Sein Erbe wird von seinem Sohn Horst verwaltet, der durch viele Vorträge und Interviews bekannt ist und für die Webseite ZUSE sowie die Konrad-Zuse-Gesellschaft verantwortlich ist.
Auf der Jahrestagung der GI durfte ich ihn einige Jahre später persönlich kennenlernen. Aufmerksam wurde ich durch den Artikel Die ZUSE Akte des Heereswaffenamts, in dem Ursula Walk kurz erwähnt wird.
Ursula Walk war tatsächlich die erste Programmiererin, wie Meike Leopold in ihrem Artikel die erste Programmiererin Deutschlands richtig schreibt, da zu diesem Zeitpunkt noch kein anderer Computer in Deutschland existierte. Konrad Zuse hat sie vermutlich nicht als Programmiererin eingestellt, da er seine Programme damals noch als „Rechenpläne“ bezeichnete. Eine kurze Personenbeschreibung findet sich hier Ursula Walk
In den frühen Jahren von 1950 bis Ende der 70-er Jahre waren die Rollen zwischen Programmautoren und Schreibkräften noch streng getrennt, auch wenn diese durchaus tiefer gehende technische Fähigkeiten besaßen.
Im Jahre 1976 schrieb ich an der Universität Würzburg mein erstes größeres EDV-Programm in Fortran IV auf der berühmten TR440.

Nach einer kurzen Einweisung konnten die Studenten an die Lochkartenmaschine und erstellten kartonweise ihre Programme. Diese wurden vom Operator im Batchbetrieb eingespeist und man konnte mit etwas Glück am nächsten Tag das Ergebnis als Listenausdruck abholen. Meistens mit Fehlermeldung. Das dauerte mir zu lange und so blieb ich bis abends spät dort und bediente das Kartenlesegerät der Station in den Arbeitspausen selbst, nachdem ich mich mit dem Operator angefreundet hatte.
Das Programm war Teil meiner Diplomarbeit und für die BASF erstellt. Deshalb verbrachte ich 1977 einige Tage in Ludwigshafen, um das Programm auf dem IBM Grossrechner zum Laufen zu bringen. Dazu wurde mir das Fräulein Lachnitt zur Seite gestellt, die die Aufgabe quasi im Alleingang bewältigte.
Nach meinem Wechsel ans Forschungsinstitut war es ähnlich. Es gab die Ingenieure, die ihre Programme auf 80-Spaltige Papiervordrucke schrieben und ein rundes Dutzend weibliche Schreibkräfte im „Schreibsaal“ wo sich neben den elektrischen ! Schreibmaschinen auch zwei Lochkartensysteme befanden. Die Wartezeit auf die Programme steigerte sich von einem auf zwei bis drei Tage. Also begab ich mich wieder in den Raum mit der Datenfernverarbeitungsstation für die Sperry UNIVAC der Universität Düsseldorf und tippte mein Programme selbst ab.
Mehr zu den Anfängen der Programmierung findet ihr hier.
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